Naherholung im Siebenmühlental

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Presse

Filder-Zeitung, 10. Mai 2011

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Die Schienen sind weg - die Anziehungskraft bleibt

Serie, Teil 4: Die Haltestelle "Wanderweg" ist seit 50 Jahren Ausgangspunkt für Ausflüge ins Siebenmühlental. Von Ursula Vollmer

Eigentlich ist der Name der Haltestelle unvollständig: Streng genommen handelt es sich beim "Wanderweg" nämlich um einen "Bundeswanderweg". Bis heute gehört die einstige Eisenbahntrasse, die sich von der Bushaltestelle am Musberger Friedhof durch das Siebenmühlental bis zum Waldenbucher Ortsteil Glashütte zieht, zum Eigentum des Bundes. Die kuriosen Besitzverhältnisse dürften den zahlreichen Radfahrern, Walkern, Inlineskatern und Joggern, die hier den Wanderern und Spaziergängern fast schon den Rang abgelaufen haben, allerdings ziemlich egal sein: An den Wochenenden und an langen Sommerabenden bevölkern sie alle diesen geteerten Weg: Zum Luftholen und Genießen ebenso wie zum Auspowern und Dahinflitzen.

Zügiges Vorankommen, der Wunsch danach war im Mai 1920 der Grund für den ersten Spatenstich der Bahnlinie von Leinfelden nach Waldenbuch. Vorausgegangen war ein jahrzehntelanges Ringen um die Bahnstrecke zwischen Stuttgart und Tübingen, das die Stadtarchivare Nikolaus Back und Bernd Klagholz ausführlich in der heimatkundlichen Schriftenreihe beschrieben haben. Bereits 1861 war eine direkte Verbindung durch das Neckartal fertiggestellt worden. Die Bauern der Filder fühlten sich durch diesen Vorläufer allerdings verkehrstechnisch abgehängt und machten sich aus Sorge um ihre Absatzmöglichkeiten für eine Strecke durch den Schönbuch stark.

Gegner und Befürworter des Bahnprojektes redeten sich die Köpfe heiß. Zu teuer, zu aufwendig, zu wenig effektiv, so argumentierten die einen. Auf bessere Bedingungen für Landwirtschaft und Handwerk sowie eine Belebung des Fremdenverkehrs hofften die anderen. Auch der Streckenverlauf wurde diskutiert. Ob Musberg überhaupt einen Bahnhof bekommen sollte, blieb lange umstritten. Schließlich einigte man sich auf die heutige Trasse westlich des Reichenbachs mit einem Haltepunkt beim Musberger Friedhof.

Nach dem Baubeginn sorgte Geldmangel immer wieder für Verzögerungen: Zwischen 1921 und 1922 ruhten die Arbeiten sogar für ein ganzes Jahr. Doch am 22. Juni 1928 wurde schließlich die erste festlich geschmückte Dampflok aus Richtung Leinfelden kommend von den Gästen begeistert begrüßt. Der Musberger Schultheiß Gustav Egler spendierte Brezeln und war sich sicher, dass die erholungsbedürftigen Städter nun in die "ewig schönen Wälder des Schönbuchs" strömen würden - zumal ein Freibad an der Burkhardtsmühle von 1930 an für zusätzliche Erfrischung sorgte.

Die Ausflügler erschienen tatsächlich gern. Doch als nach dem Krieg der Busverkehr in Schwung kam, stiegen sie und die Berufspendler um: Das Zügle dampfte in die roten Zahlen und wurde 1955/56 aufs Abstellgleis gestellt. Fünf Jahre später hatten die Gleise dem Asphalt und damit einem (Bundes)Wanderweg mit magnetischer Anziehungskraft auf Wandersleut" und Trendsportler Platz gemacht: Die schönen Wälder locken noch immer.

 

Filder-Zeitung, 17. Januar 2011

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Mühle im Ruhestand

Alte Handwerkskunst, Teil 2. In der Eselsmühle wird kein Mehl mehr gemahlen - was sich jedoch ändern könnte. Von Thomas Krämer

Der Reichenbach fließt wie seit Jahrhunderten durch das Siebenmühlental, plätschert über das Mühlrad der Eselsmühle. Doch der stabile Riemen, der locker um die Achse des hölzernen oberschlächtigen Rades gelegt ist, steht mittlerweile still.

Rund 600 Jahre lang brachten die Bauern ihr Getreide in die am Fuß der Musberger Hügel gelegene Mühle, ließen es dort in seine Bestandteile zerlegen. Zu den Besitzern gehörte auch der Großvater des heutigen Betreibers, Meinrad Bauer. 1937 kaufte Rudolf Gmelin die Mühle, brachte sie auf Vordermann, mahlte Getreide und ließ Brot backen, das auch seiner Philosophie entsprach: Gmelin war Anthroposoph. Da passte ein Modetrend in den 1950er-Jahren gar nicht ins Konzept. Die Verbraucher wollten nun vor allem wasserstoffgebleichtes Mehl und nicht mehr das gehaltvollere, dunklere Mehl, das zwischen den Mühlsteinen der Eselsmühle erzeugt wurde. Jenes mit einer hohen Typen-Nummer, die für grobes Mehl steht.

Doch die Eselsmühle konnte sich in ihrer Nische behaupten, Bauers Vater übernahm das Anwesen, ließ die Mühle in den 1970er-Jahren renovieren und übergab sie seinem Sohn. Und der musste zumindest die Müller-Tradition erst einmal unterbrechen, auch wenn in der Bäckerei nach wie vor gebacken wird. "Unser Mehl beziehen wir aus einer anderen Mühle", sagt Bauer.

"Bis vor zwei oder drei Jahren haben wir in der Eselsmühle noch Mehl gemahlen", erzählt er und zeigt auf einen der Mühlsteine. Doch dann ging der Müller. Seitdem ruhen die Mühlsteine aufeinander. "Genutzt werden heute nur noch die Getreidequetschen vor allem für den Eigenbedarf", sagt Bauer. Er bedauert das.

Denn die Mühle funktioniert noch, könnte jederzeit wieder in Betrieb genommen werden. Gut, alleine mit Wasserkraft wäre das kaum noch möglich. Ein Elektromotor unterstützt das Mühlrad schon seit vielen Jahren, das vor allem in den trockenen Sommermonaten nicht mehr den nötigen Schwung hat. "Immerhin wurde hier mit dieser Ausrüstung täglich bis zu einer Tonne Mehl gemahlen."

Doch die langen Riemen sind noch vorhanden, könnten wieder die Wasserkraft über mehrere Stockwerke zu den einzelnen Stationen der Mehlherstellung übertragen. Über eine Holztreppe geht es hinauf zu den Sieben. Die wurden auch über Riemen angetrieben, rüttelten das Getreide und trennten so die Spreu vom Weizen. Aufgehängt sind sie an Bambusstäben. "Das einzige Material, das diese ständige Bewegung aushält", erläutert Bauer. Auch die Absaugvorrichtung ist nach wie vor funktionstüchtig.

Bauer hofft, irgendwann einmal die Mühle wieder in Betrieb nehmen zu können. "Wenn ich einen Fachmann finde, der sich auf die Tradition einlässt." Dann hätten die Filder auch wieder einen Müller. Er selbst jedoch wird den Mahlvorgang nicht überwachen: Bauer ist Betriebswirt.

 

Filder-Zeitung, 20. Dezember 2010

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Als der Schnee ausblieb, ging es mit dem Berg bergab

Serie "Filder im Wandel", Teil 14. Der Piz Mus war einst eine Attraktion für Wintersportler, doch der Lift steht schon lange still. Von Tim Höhn

Noch heute ist der Piz Mus vielen Wintersportfans ein Begriff, nicht nur auf den Fildern, auch in Stuttgart. Kein Wunder, allzuviele Skipisten gibt es in der Region nicht. Doch die Zeiten, als sich beim Reichenbach in Musberg Skispringer und Abfahrer den Hang hinabstürzten, sind lang vorbei. Der Piz Mus war eine Attraktion, und Albert Röhrle hofft, dass er es eines Tages wieder sein wird: "Die Anlagen sind verfallen, aber mit rund 50 000 Euro könnte man den Lift modernisieren", sagt der 77-Jährige. "Vielleicht findet sich ja jemand, der das macht."

Röhrle erinnert sich lebhaft an die glorreichen Zeiten, als regelmäßig hunderte und manchmal tausende Menschen ins Musberger Skigebiet pilgerten. Der Inhaber eines Sportgeschäfts in Leinfelden war einst schwäbischer Meister in der Kombination aus Skisprung und Langlauf. Im Februar 1955 legte er bei der Eröffnung der Sprungschanze oberhalb der Eselsmühle den weitesten Satz hin, 32 Meter - vor 600 Zuschauern.

Die Skitradition in Musberg reicht weit zurück. Schon in den 20er Jahren hatte die Musberger Jugend den Hang zum Skifahren entdeckt, damals musste man den Berg erst hochlaufen, bevor man runterbrettern konnte. 1955 wurde die erste Holz-Sprungschanze errichtet, 1961 eine Schanze aus Beton und Metall - die Wintersportler selbst halfen beim Bau. Und 1965 kam auf Beschluss des Gemeinderats endlich der Schlepplift hinzu, betrieben von den Besitzern der Oberen Mühle. "Auf den Bildern von früher kann man noch deutlich sehen, wie wuselig voll es damals am Piz Mus oft war", erzählt Röhrle.

Bergab ging es mit dem Berg, weil immer häufiger der Schnee ausblieb - und damit auch das Publikum. Eine zeitlang karrten die Musberger Wintersportler sogar mit Lastwagen Schnee von der Schwäbischen Alb zum Piz Mus, aber es half alles nichts. Schon Ende der 70er Jahre war die große Zeit des Wintersports in Musberg wieder vorbei, 1995 wurde der Lift stillgelegt.

Heute zeugen die Türme des Lifts und Reste der Schanze davon, dass dort einmal ein Wintersportgebiet lag. Kinder nutzen den Hang gern zum Schlittenfahren - wenn denn ausreichend Schnee liegt, was in den vergangenen Jahren regelmäßig der Fall war. "Da hätte man in Musberg im Winter immer mindestens zwei bis drei Wochen Skifahren können, davon bin ich überzeugt", sagt Röhrle. "Es ist einfach Jammerschade, dass dieses Potenzial nicht mehr genutzt wird."

 

Filder-Zeitung, 11. November 2010

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Kulturnotizen: Bilder in Öl

Musberg. Zum Nachdruck des Siebenmühlentalbuchs präsentiert das Stadtarchiv, Schönaicher Sträßle 4, eine Ausstellung mit Bildern und historischen Fotografien der elf Mühlen. Die Bilder hat Karl Bubser zwischen 1963 und 2010 in Öl gemalt. Die Ausstellung dauert bis zum 22. Dezember. Sie ist am 13., 14., 27. und 28. November sowie am 18. und 19. Dezember jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie nach Anmeldung unter Telefon 9 97 54 08 zugänglich.

 

Filder-Zeitung, 10. November 2010

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Das Siebenmühlental ist ein Verkaufsschlager

Musberg. Das Buch über das Tal der Mühlen liegt nun als fünfteAuflage vor. Von Gabi Ridder

Nach der ersten interkommunalen Zusammenarbeit für das Buch über das Filderkraut 1995 haben sich die Stadtarchivare aus Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt 2003 ein weiteres Mal zusammengetan und ein Buch über das Siebenmühlental verfasst. Der Band mit 204 Seiten über die Geschichte der Mühlen mit Geschichten über die Bewohner und 220 Bildern hat sich als wahrer Verkaufsschlager erwiesen. Die Erstauflage mit 750 Stück war nach einem Monat vergriffen. Seitdem wurde mehrfach nachgedruckt, zuletzt 500 Exemplare vor einem Jahr. Nun haben sich die Städte zur fünften Auflage entschlossen. 1000 Stück nimmt L.-E. ab, 250 gehen nach Filderstadt. Der Preis bleibt mit 13,50 Euro gleich.

"Es ist die richtige Zeit für einen Nachdruck, noch in diesem Jahr wird das Tal unter Naturschutz gestellt", sagte Bürgermeister Alexander Ludwig bei der Präsentation am Dienstag. Nur zwei der elf Mühlen, die Obere und Untere Kleinmichelesmühle, liegen auf Filderstädter Gemarkung. "Das Interesse der Bevölkerung ist trotzdem groß, zumal viele Plattenhardter enge familiäre Beziehungen zu diesen beiden und zur Burkhardtsmühle haben", erläuterte Bürgermeister Andreas Koch. Zudem sei das Tal ein wichtiges Naherholungsgebiet und einige Filderstädter hätten einst im Freibad an der Burkhardtsmühle das Schwimmen gelernt. Zurzeit werden die Dokumente der Stadt Waldenbuch archiviert. "Vielleicht tauchen noch verborgene Schätze und Infos zur Burkhardtsmühle auf - das wär was", hofft Nikolaus Back. Dann müssten der Filderstädter Stadtarchivar und sein Kollege aus L.-E., Bernd Klagholz, die sechste Auflage des Buches um wichtige Details ergänzen.

 


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Live Webcam

Live Webcam auf die Obere Mühle im Siebenmühlental

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